Vor 20 Jahren machte ich meine erste Pilatesausbildung und dachte, dass es damit auch genug sein würde. Damals war das eine Ausbildung zur Trainerin für Pilates auf der Matte, die in Köln stattfand, und ich 2006 mit großer Freude immer zu den Fortbildungswochenenden gefahren bin. Ab Stunde eins war ich Feuer und Flamme für diese Bewegungsmethode.
Wie kam ich eigentlich auf „Pilates“?
Denn Sport hatte mich nie interessiert, als Kind war der Schulsport ein Graus für mich. Nichts klappte da. Ich war als Grundschulkind sehr ängstlich (eigentlich hat sich daran nicht viel geändert) und die Sportlehrerin war gar nicht amused, wenn ich wie versteinert am Barren hing und einen „Feldaufschwung“ machen sollte. Zum Ballspielen hatte ich auch kein Talent und vor den Sprüngen über den Bock immer so viel Angst vorm Absprung, daß ich gar nicht erst richtig Anlauf nahm. Es mag schon sein, daß die Kinder heutzutage zu sehr „geschont“ werden, aber die Pädagogik der 60er und 70er Jahre war auch nicht das Gelbe vom Ei. Keine Förderung der Schwächeren und nicht so Beherzten, so kam die Motivation auch nicht zustande.
Am Gymnasium kam dann auch noch die Leichtathletik dazu und noch mehr Geräteturnen. Auf der ganzen Linie kein Erfolg. Auch die Appelle an mich, doch endlich mal beim Basketball meine Größe auszunutzen – vergeblich, ich kam gar nicht ran an den Ball. Die Gymnastikstunden dagegen waren wie ein warmer Regen, mit Musik und überhaupt sooo toll: ich war damals auch einige Jahre im Ballettunterricht, was ich recht talentfrei ausübte, das mir aber doch einige Vorteile verschaffte: Als schon früh ziemlich großes Mädchen oder im Jargon der 70er Jahre, „lange Latte“, eine aufrechte Haltung zu entwickeln. Sogar Spitzenschuhe hatten wir. Wenn ich dann draufstand, war ich gut einen Kopf größer, als der Ballettlehrer. Wir zwei nebeneinander vor dem Spiegel – das war das schon ein komischer Moment. Und ich mochte die Musik, die Übungen an der Stange und die Gelenkigkeit, die sich dann auf einmal einstellte. In der Ballettschule gab es auch Jazz-Tanz, das machte mir damals auch sehr viel Spaß.
Nach dem Abitur blieb ich lange total unsportlich, bis auf eine Steptanz Episode zusammen mit meiner Schwester. Wir waren beide nicht schlecht, und das würde ich auch mit dem Spaß begründen, den wir da hatten. Mit Frack und Zylinder trat unsere Stepklasse im Mannheimer Rosengarten auf, das war schon was!
Es folgten dann einige Jahre als Mannequin auf dem Laufsteg, und ich muß schon irgendwo ein gewisses Bewegungsgefühl gehabt haben, sonst wäre es mir nicht gelungen, währen des Gehens vor Publikum zum Beispiel einen Mantel auszuziehen und den dann elegant hinterher schleifen zu lassen, so daß das ganz selbstverständlich aussah.
Einige Jahre vorher hatte mein Ballettlehrer einmal erzählt, daß er gerade eine Modenschau choreographiere und sagte dann „was die Mädels da können, kannst du schon lange, Steffi“- so kam das mit den Modenschauen, gar bis Paris und Mailand….und zurück.
Erst wieder nach der Geburt meiner Tochter entwickelte ich wieder Interesse an Bewegung; wohl aus figürlichen Gründen. Damals gab es die VHS Videokassetten mit Top Model Cindy Crawford, die ich vor dem Fernseher mitturnte. Das war schon so eine Mischung aus Aerobic und Gymnastik, von Cindy vollendet vorgeführt.
Meine kleine Tochter konnte gerade sitzen und war eine ausgesprochene Frühaufsteherin, so daß wir zwei morgens um 6 schon fleißig auf dem Teppich turnten, jede auf ihre Art. Dieses Training gab mir den Impuls, es auch in einem Fitnessstudio zu versuchen, wo ich mich dann zwischen Aerobic, Bauch-Beine-Po und Rückenfitness irgendwie „bewegungstechnisch schon eher fand“. Und das war damals schon kein „Sport“ für mich, es war Bewegung mit einer ganz bestimmten Qualität; man achtete auf Haltung, Ausführung, Atmung und musste, wie im Ballett, eine gewisse Kontrolle walten lassen, sei es, um beim Step-Aerobic nicht gleich außer Puste zu sein, oder um ganz bestimmte Muskeln zu aktivieren und das auch wahrzunehmen. Oder um einfach nicht umzufallen.
Im Fitness kam es dann auch zur ersten Begegnung mit Pilates. Ich nahm an einer Pilatesstunde teil, wobei ich nie vorher davon gehört hatte – und das im Jahr 2006! Allerdings kann man die damalige Popularität von Pilates überhaupt nicht mit heute vergleichen. Gehalten wurde die Stunde namens „Pilates mit dem Handtuch“ von einer etwas älteren Trainerin, das fand ich sehr bemerkenswert. Sie war sonst eher mit den Seniorengruppen beschäftigt, und ich war mir nicht sicher, ob die Stunde bei ihr wohl anstrengend genug sein würde. Aber sobald wir uns warmgeturnt hatten, merkte ich: Da läuft irgendwas anders. Die Kernübung passierte auf allen Vieren. Man hatte das Handtuch flach vor sich auf dem glatten Boden, die Hände drauf und sollte dann mit den Händen und Oberkörper nach vorn rutschen, ohne dabei das „Powerhouse“ zu verlieren. Damit war gemeint, die Aktivierung der Bauch- und Rückenmuskeln mußte in dieser schwierigen Lage erhalten bleiben, sonst hing man durch wie eine Hängematte, was schnell passiert war. Zusätzlich klappten die Schultern gern nach oben und der Hals verschwand dazwischen. Man verstand schnell, daß beide Phänomene nicht erwünscht waren.
Die durchaus energische Trainerin feuerte uns an mit „rutschen-rutschen vor-vor-weiter-weiter-aber Schultern tief-kein Hohlkreuz machen!!“ Ihr „uuuund Pause“, das dann folgte, ließ uns durchaus Fitte erschöpft auf der Matte zusammensinken. Am nächsten Tag spürte ich einen irgendwie nicht so gut zu lokalisierenden Bauchmuskelkater. Ich ging dann immer wieder in diese Stunde, das Spezielle daran war dieses sogenannte „Powerhouse“, ein griffiges Wort für die tiefe, „andere“ Bauchmuskulatur, so stellte ich mir das damals vor.
Und noch im selben Jahr, entschied ich mich für eine Ausbildung zur Pilatestrainerin.
Eine Freundin, wir gingen immer zusammen ins Fitness, hatte auch so einen Kurs gemacht und hielt bereits dort Aeorbicstunden ab. Ob ich das dann auch mit Pilates machen würde? Ich konnte es mir fast nicht vorstellen….und durchlief erstmal die Ausbildung zur Trainerin für Pilates auf der Matte. Das dauerte einige Monate, etliche Wochenenden und viel Eigenübung war erforderlich, um die Abschlussprüfung zu bestehen. Noch vor der Abschlussprüfung unterrichtete ich in einer Ballettschule meine ersten Mattenpilatesstunden. Damit, so dachte ich, war ich eigentlich „fertig“ – dachte ich! Eine Kollegin aber, die damals mit mir in der Ausbildung gewesen war, hatte vor, sich noch nach etwas anderem umzusehen, um ihre frisch erworbenen Kenntnisse zu vervollständigen. Und sie schleppte mich mit ins Abenteuer mit Christin Kuhnert, der Inhaberin von CenterCircle ®in München.
Im Jahr 2009 nahm mich Christin Kuhnert in ihr Ausbildungsprogramm zur Pilates-Lehrerausbildung auf. Es kam nochmal die Mattenausbildung, aber nach der etwas anderen CenterCircle ®Methode. Danach dann die Ausbildung an den Studiogeräten, die damals eigentlich kaum jemand kannte, Reformer, Chair und Cadillac.
Das war von Anfang an kein Abturnen von „Exercises“, sondern die im Tanz ausgebildete Christin Kuhnert hatte ihre eigene, kluge Pilatesmethode CenterCircle ®entwickelt. Eine Herangehensweise die Pilates als Basis hat, unter besonderer Berücksichtigung anderer Bewegungslehren (Feldenkrais, Spiraldynamik ®, Gyrotonic, Bio-Tensegrity, Franklin Method ®) Mit eigenem Übungsrepertoire. Christins praktischer Sinn dafür Bewegung zu erklären, und ihre Bewegungserfahrung als ausgebildete Tänzerin machen die CenterCircle ®Methode so einzigartig. Mit sicherem Gespür für vergängliche Trends und relevante Forschung, gab es die ersten Vorträge über die damals ganz neue Faszienforschung und die hörte ich bei Christin im Münchner Studio.
Die Pilates-Lehrer-Ausbildung war sehr umfangreich und komplex, vor allem für jemanden wie mich, die schon lange nicht mehr „lernen“ musste. Sie umfasste Bewegte Anatomie, Tutorials, Pilates in Theorie und Praxis, Pädagogik und eigene Stundengestaltung, Psychologie, Kommunikation und vor allem die medizinischen Grundlagen im Allgemeinen und Speziellen, wie Osteoporose, Schwangerschaft, Probleme mit dem sogenannten Bewegungsapparat.
Es kamen zu vielen Themen jeweils auch Referenten zu uns, unter anderem die Orthopädin Frau Dr. med Elisabeth Exner-Grave, damals die Mannschaftsärztin von Schalke und Expertin für Tanzmedizin (ja, das schließt einander nicht aus😉)
Ich hatte eine eigene CD mit Übungen besprochen, ein Studiokonzept entworfen, verschiedene Stundenbilder für unterschiedliche Zielgruppen aufgezeigt, lernte eine Magisterarbeit zu verstehen und zusammenzufassen, hatte Übungsstunden abgehalten, auch welche wo es darum ging, im Rollenspiel mit etwas problematischeren Klienten umzugehen. Aber das Wichtigste war: Das Übungsrepertoire der CenterCircle®Methode.
An jedem Wochenende gab es neue Kurzfassungen der Pilatesübungen, die wir dann auf Karteikarten übertragen haben. Mit Kleingeräten auf der Matte übten wir intesiv, wir waren eine kleine Gruppe und ich muß nicht extra betonen, was das für Vorteile hat. Ich mochte von Anfang an die Idee, sich nicht an ein festes Konzept halten zu müssen, sondern die die passenden Übungen auszusuchen, wie von einem Buffett. Es war eine wunderschöne und interessante Zeit! Und ich bin so froh, dass ich ausgerechnet bei Christin Kuhnert noch so viel lernen durfte. Von ihr stammte dann auch 2011 der Impuls, die Ausbildung zur Heilpraktikerin zu machen, die sie selbst auch gerade hinter sich hatte. Ich trat diesen, ehrlich gesagt, sehr steinigen Weg an, nicht ohne manchmal vorm Computer in Tränen auszubrechen. Aber nach fast drei Jahren schaffte ich die Heilpraktikerüberprüfung 2014, vor dem Gesundheitamt, mit über 50 schon.
Danach spezialisierte ich mich zusätzlich auf das Thema Darmgesundheit und Ernährung, das sich sehr passend mit dem bereits vorhandenen Wissen über Bewegungstherapie ergänzte.
Ab 2022 war ich in der Lage, beides in einem in Form einer Gesundheitswoche zu vereinen, die von da an in der Camargue in Südfrankreich stattfand.
Neun mal haben wir dieses „Retreat en Camargue 🌞🦩“
seitdem veranstaltet, hier im Haus bei Les Saintes Maries de la Mer in der Camargue.
Hierzu gibt es einige zurückliegende Blogs von mir.
Was wäre aus mir geworden, hätte ich nicht diese Begegnung mit Pilates gehabt? Ich kann mir gar nichts anderes vorstellen, und ich finde, jeder und jede, die mit „Bewegung zu tun hat“, ist von vornherein auf der richtigen Seite.
