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Juli 17, 2026

Eine Begebenheit, irgendwann Ende Mai in der südfranzösichen Camargue

Eine Begebenheit, irgendwann Ende Mai in der südfranzösichen Camargue
Juli 17, 2026

Es begegneten sich zwei Menschen, deren Muttersprache nicht Französisch war, die sich aber trotzdem sehr gut unterhalten haben…

Irgendwann im Mai vor ein paar Jahren, war ich auf Einkaufstour für mein Retreat en Camargue. Zu diesem Zweck fahre ich gern über die Dörfer, etwas weiter raus, um die kleinen Gemüsestände anzuschauen, von denen ich weiß, daß dort selbstangebautes Gemüse verkauft wird.
Von diesen Ständen gibt es einige, und normalerweise findet man die entsprechenden Gemüsefelder direkt neben dem Verkaufsstand. Das ist für mich ein Kriterium, um von den Straßenständen zu unterscheiden, die ihre Ware vom Großmarkt haben; natürlich ist das auch in Ordnung, aber das alles bekomme ich auch im Supermarkt.
Ich möchte unseren Teilnehmenden am Retreat en Camargue regionales, direkt angebautes Gemüse und Obst, Milchprodukte und Eier bieten, das hat sich einfach echt bewährt, und ich habe ein gutes Gefühl. Immerhin bieten wir drei komplett selbstgekochte Mahlzeiten pro Tag an, ohne jegliche Zusätze oder Fertigprodukte.

Der Gemüsestand, um den es jetzt gehen soll, lag gleich an der ersten Ausfahrt hinter Le Cailar, nach einem der zahlreichen Kreisel. Stefanie Kunze, Heilpraktikerin, Bewegungstherapeutin
Ein überdachter Stand mit geschlossenem Verkaufsraum; man konnte das Angebot im Vorbeifahren nicht wirklich erfassen. Aber zwischen Straße und dem Lädchen sah ich sofort die unverkennbaren Blätter der Artischockenpflanze und drehte am nächsten Kreisel wieder in die Gegenrichtung um, weil ich natürlich hoffte, an selbst angebaute Artischocken zu kommen, denn ein selbstgemaltes Schild wies auf einen „producteur local“ hin.
Viele unserer Retreatgäste kennen die Artischocke nur von Kochshows oder als dekorative Abbildung für die Küche. Lokale in Deutschland bieten selten welche an.
Ich bereite sie für alle sehr gern als Vorspeise zu, einfach nur gekocht, mit „meiner Vinaigrette“.
Dazu erzähle ich dann ein bisschen über die gute Wirkung der Artischocke auf die Leber und die Verdauung, das ist nämlich ein geschickter Übergang zu den Bitterstoffen, die ich den Retreaties ein bisschen schmackhafter machen möchte.Stefanie Kunze, Heilpraktikerin, Bewegungstherapeutin

Ich fuhr also auf den staubigen Parkplatz; es war ein sonniger Tag und für Ende Mai schon ordentlich heiß. Das Retreat sollte übermorgen beginnen, und ich freute mich, daß das Wetter es rechtzeitig geschafft hatte, auf „Südfrankreich“ umzustellen.
Ich sah niemanden, als ich aus dem Auto stieg, aber die vielen dunkelgrünen Artischockenpflanzen, mit den typischen, zackigen Blättern, stachen mir ins Auge.

Als ich den schattigen Verkaufsraum betrat, wurde ich freundlich von einem älteren Herrn begrüßt, der hinter der Kasse stand. Nach einem freundlichen Austausch von zwei „bonjours“, stellte ich dann gleich meine Frage, ob es denn Artischocken gäbe, ich hätte die Pflanzen draußen gesehen. Er verneinte jedoch, es gäbe keine mehr.
„Ach schade“, sagte ich – „c` est dommage, on aime beaucoup des artichauds“. „Oui, mais c`est fini les artichauds, à la prochaine année…“ jetzt sei die Artischockensaison leider um, alle verkauft, nächstes Jahr wieder, meinte er, mit einer abwinkenden Handbewegung.

Natürlich lagen in den aufgestellten Holzkisten andere Gemüse und Früchte, und ich fragte ihn, ob es sonst noch was von ihm selbst Angebautes gäbe. „Ja, hier die Aprikosen, Zwiebeln und die Mandeln, die sind von uns“. Ich fing gleich an, Aprikosen in den Einkaufskorb zu legen, den er mir in die Hand gedrückt hatte und überlegte, was wir damit anfangen könnten. Bestimmt würde ich in den tollen vegetarischen Kochbüchern von Anna Jones, die die Grundlage für den kulinarischen Teil des Retreats lieferten, ein passendes Kochrezept finden.
Bei den Mandeln war ich etwas ratlos; so ist es eben, wenn man Saisonales möchte, es ist einfach nicht alles verfügbar, oder eben Waren, die man aktuell so gar nicht braucht.

Mein Blick durchstreifte weiter den etwas dunklen Verkaufsraum; durch die Bretterdecke fiel grelles Sonnenlicht und bestrahlte die Tomaten. Was mit den Tomaten sei, fragte ich den Mann. Mein Französisch war mittlerweile, nach 3 Jahren „Teilzeitwohnen in der Camargue“ ganz beachtlich. Gerade was den Einkauf von Lebensmitteln betraf, hatte ich nur recht wenig Probleme und bekam, was ich brauchte. Nach etlichen Stunden Einzelunterricht bei einer sehr guten Lehrerin, (LINK) hatte ich einiges an Sprachsicherheit dazu gewonnen. Bevor wir das Mas de la Cigale 2021 gekauft hatten, verbrachten wir seit den 80er Jahren eigentlich alle Urlaube in der Camargue. Doch mit dem „dort wirklich leben“ und den Unterrichtsstunden, war ich nochmal auf ein anderes Sprachlevel gekommen.
Und so unterhielten der Inhaber des Gemüsestandes und ich uns dann ausführlich über diese Tomaten. Nein, er muss derzeit leider noch bis hinter Marseille fahren, um sie zu diesem Preis einzukaufen erzählte er, und man sah ihm an, daß dies mühsam war.
Es folgten Preisangaben, Kiloangaben und einiges an Zahlen. Ob er selbst denn auch Tomaten anbauen würde, wollte ich wissen, denn Tomaten vom Feld waren ein sehr erstrebenswertes Detail unserer regional geprägten Küche. Hätte er, war die Antwort, aber nach dem nasskalten Frühjahr seien sie einfach ungewöhnlich spät dran, so dass er bei anderen producteurs einkaufen müsse. Seine eigenen Tomaten wären tatsächlich noch nicht soweit, das würde noch dauern.
Der Mann war klein, fast dünn und sehr braungebrannt im Gesicht; die Hand, mit der er mir eine schöne Tomate zeigte, sah sehr robust und nach viel Feldarbeit aus. Im wechselnden Licht der Bretterdecke leuchtete sein Strohhut.
Seinem Akzent nach zu schließen, kam er aus Nordafrika – vielleicht Marokko, Tunesien oder Algerien?
Er lachte mich an, und natürlich legte ich auch eine ganze Menge Tomaten in den Korb. Es gab noch rote Zwiebeln aus Eigenanbau, davon nahm ich auch gleich einen ordentlichen Vorrat.
Beim Bezahlen unterhielten wir uns noch ausführlich ( Karte oder bar? Beides sei möglich, „bien sûr Madame“), über das wirklich verregnete und frische Frühjahr, das erst vor kurzem angefangen hatte, nicht so sehr mit der Sonne und Wärme zu knausern.
Ich holte meinen Korb aus dem Auto und beim Rausgehen begleitete er mich noch zum Parkplatz, ich war die einzige Kundin. Da hatte er sogar noch ein kleines Kräuterbeet mit Petersilie, Koriander, Fenchel und noch wirklich gar nicht mal so herkömmlichen Pflanzen, von denen ich alle kannte und die entsprechenden französischen Bezeichnungen parat hatte. „Ach, Sie haben ja sogar Dill, „c`est phantastique“, sagte ich begeistert. Er riss ein paar Stengel ab und schenkte sie mir mit einem netten „voilà, pour vous“.
Sein Blick streifte dabei zu meinem Auto mit dem damals noch deutschen Nummernschild.
Und jetzt nimmt die Geschichte eine so drollige Wendung, weswegen ich sie so gern wiedererzählen möchte: Da waren zwei Menschen, die sich eine ganze Weile auf Französisch unterhalten hatten, deren Muttersprache es nicht war, aber die Unterhaltung floß angenehm dahin, durchsetzt mit vielen Angaben, Begriffen und Zahlen, die man nicht unbedingt weiß, wenn man die Sprache nicht schon eine ganze Weile spricht. Und ich möchte jetzt ausdrücklich betonen, dass die Wendung in dieser Begebenheit die nun folgt, von mir nur und ausschließlich zum Schmunzeln und auch ein bisschen Wundern, beschrieben werden soll. Mit keinem Gedanken an Kritik oder Überheblichkeit.
Es ging also folgendermaßen weiter: Nachdem der Inhaber des Gemüsestands nun gewahr wurde, daß ich aus dem Ausland kam, wollte er auch wissen, woher. „Je viens d`Allemagne“, war meine Antwort. Er war darüber eigentlich auch gar nicht verwundert, zudem spreche ich alles andere als akzentfrei, meine Herkunft war an der Art, wie ich redete, durchaus erkennbar, manchmal wurde mir das als „accent allemand“, der absolut nicht zu überhören, aber „très charmant“ sei, bescheinigt.
Trotzdem schaltete der Mann nun deutlich um, als hätte man einen Sprachenhebel umgelegt. Er griff sich ein kleines Stöckchen und zog dann gleich Striche in den Staub, und ich fragte mich, was das wohl bedeuten sollte.
Er forderte mich freundlich auf hinzuschauen, auf die Zeichen im Sand, und dazu sagte er ungefähr den Satz, ziemlich abgehackt, ohne den natürlichen Fluß von vorhin:

„So, Sie kommen aus Deutschland. Ich kommen aus Tun-e-siiiiieeee-en. Ich kommen 1975 nach Frankreich.“ Und ich erkannte die Striche jetzt auch als die Ziffern 1-9-7-5 im Staub, die er für mich, der besseren Verständlichkeit wegen, geschrieben hatte und nun nochmal einzeln wiederholte: „Un-neuf-sept-cinq“ Und weiter: „Ich waren ganz jung, als ich kommen hier nach Frankreich“, „Moi être tout jeun, venir ici en France en mille-neuf-cent-,,,,,
Ob er mein erstauntes Gesicht tatsächlich wahrnahm, weiß ich nicht; aber ich war, ehrlich gesagt, kurz sprachlos. Ich war in einer anderen Kategorie gelandet und so erstaunt über diesen drolligen Wechsel der Sprachebene, der sich gerade vollzogen hatte, so daß mir nichts weiter blieb, als mich zu verabschieden. Wir hatten ja auch alles besprochen und ich stieg ins Auto.
„Au revoir Monsieur, à bientôt, quand vos tomates seront mûres“ – „Bis bald, wenn ihre Tomaten reif sind“. Ich konnte ich mir nicht verkneifen, mit dem für uns Deutsche in dem Fall ungewohnten Gebrauch des Futur zu glänzen, das hier im Französischen so verwendet wird: Wenn die Tomaten „reif sein werden“.
Als ich auf die Straße fuhr, sah ich im Rückspiegel, wie der Mann mir zum Abschied winkte. Natürlich kam ich wieder, als es soweit war.

Im September 2027 findet ein neues Retreat statt:

 

Stefanie Kunze, Heilpraktikerin, BewegungstherapeutinIch habe mein Angebot etwas erweitert; zwar wird es Wohlfühlpilates, Entspannung und die mediterrane Küche bei uns weiterhin geben, aber der Nachmittag ist reserviert für die Künstlerin Petra Mertzlufft. Mit ihr werden wir nach Herzenslust in der wunderschönen Naturwelt der Camarge selbst Aquarelle malen.
Ich habe schon damit angefangen, und ich gehe mit großer Freude ans Aquarellieren und das weitgehend ehrgeizfrei!
Für den Blog habe ich die Artischocken, Tomaten und jemanden gemalt, der im Garten werkelt…Leider benutzte ich das falsche Klebeband, so daß die Bilder etwas angerissen sind-aber das hat auch was, finde ich. Beim Aquarellieren muss man die Dinge geschehen lassen, es ist viel Wasser im Spiel, die Farben verlaufen und Papier geht auch mal kaputt.

Das Retreat mit Petra und mir: 20. bis 26.September 2027 in der Camargue, bei uns im Mas de la Cigale.
Infos folgen im nächsten Newsletter oder direkt bei mir: srkunze@online.de

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Gehört so ein Blog auf die Website einer Heilpraktikerin? Ich würde schon sagen, ja. Es gibt so viele Gedanken, Ideen, Wissen und ganz banal auch Kochrezepte, die ich gern weitergeben würde. Alles allgemeingültige Dinge, die mir wichtig und wissenswert erscheinen.

Ich wünsche
viel Spaß beim Lesen!


Stefanie Kunze

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